Wirtschaftswunder Facharbeit Anhang



Anhang
Interview mit Dr. Jürgen Heinel
Dr. Jürgen Heinel, 75 Jahre alt, unterrichtete von 1966-1989 Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde am Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden und wuchs in der Sowjetischen Besatzungszone auf. 1952 studierte er in West-Berlin und erfuhr das vermeintliche Wunder selbst.

  1. Wie erlebten Sie die direkte Nachkriegszeit, wie war die Grundstimmung im Land? Litten Sie oder Ihre Familie selbst unter Versorgungsmangel und wie versuchten Sie Nahrung zu erhalten?

Ich wuchs in der SBZ auf und meine Grundstimmung stelle eigentlich folgendes dar: Lebend davongekommen, aber Mangel an fast allem, besonders an Lebensmitteln. Nahrung beschafften wir uns zum Beispiel durch so genannte, fast wöchentliche „Hamsterfahrten“. Manchmal kauften wir uns die Dinge, doch meistens wurde mit Tauschwaren wie zum Beispiel Seife, Süßstoff und Tabak gehandelt. Dafür erhielten wir dann Getreide oder Kartoffeln.

  1. Wen und was verbinden Sie mit dem Begriff des Wirtschaftwunders?

In der DDR gab es praktisch keinen wirtschaftlichen Aufschwung. Ich ging 1952 nach West-Berlin zum Studium, aber das „Wunder“ fand in Westberlin auch nur kaum statt, schon gar nicht für einen Studenten mit „Währungsstipendium“ von 80 DM. Vielmehr verbinde ich damit, dass später, in den 60er und 70er Jahren, als ich in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz Lehrer wurde das Gehalt erfreulich anstieg. Als entscheidene Personen sehe ich Adenauer und Erhard.

  1. Wie verlief das gesellschaftliche Leben aus ihrer Sicht zu dieser Zeit? In wie fern und wann fühlten Sie sich erstmals rundum gut versorgt und konnten sich moderne Geräte leisten?

Naja, auf Schmalspur: Kino, Radio, Theaterbesuche waren schon etwas besonderes. Zunächst gab es eine gezwungene, später gar gewollte Sparsamkeit. In den 70er Jahren hatte ich erstmals ein Guthaben auf dem Konto und ich machte regelmäßige, aber relativ bescheidene Urlaubsfahrten, zumeist im Inland, später dann auch nach Spanien. An Geräten konnte ich mir eine Spül- und Waschmaschine, ein Radio und schließlich einen Plattenspieler leisten. Meinen Führerschein machte ich erst mit 32 und ein Auto besaß ich ein Jahr später.

  1. Sahen Sie die Westintegration Adenauers als richtigen Weg an oder hätten Sie sich ein vereinigtes Deutschland erhofft?

Ja, unbedingt, da die Sowjetunion die Einheit nicht aus Freundschaft oder Kooperation versprach, sondern ganz Deutschland für ihr System zu gewinnen hoffte. Und das war weder in unserem, noch eben in Adenauers Sinn.

  1. Denken Sie, dass das Wirtschaftswunder ein Verdienst Westdeutschlands darstellt oder die USA durch ihre Marshallplanhilfe den Aufschwung in die Wege geleitet hat, um Deutschland für sich zu gewinnen?

Ich denke, dass das Wunder eine Kombination aus beidem darstellt. Die Hilfe fiel in Westdeutschland auf fruchtbarsten Boden, da eine gute Infrastruktur noch vorhanden war sowie genügend ausgebildetes Personal. Dadurch kam der Aufschwung schon bald in Gang.

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  1. Wäre heute aus Ihrer persönlichen Sicht noch ein solches Wunder möglich?

Nein, da damals ein Riesenbedarf an fast allen Waren vorhanden war und keinerlei „billige“ Auslandskonkurrenz bestand.
Textauszüge

Text 1: Amis, Nylons, “Care-Pakete”

Eines der älteren Mädchen von Frau F. hatte einen amerikanischen Besatzungssoldaten als Freund. Für uns jüngeren Mädchen in der Umgebung war er der schönste und hübscheste, den wir uns vorstellen konnten! Er sah so schneidig aus in seiner eng anliegenden Uniform! Außerdem brachte er immer Kaugummi und Schokolade mit, die er großzügig unter uns Kindern verteilte, wenn er mit seinem Jeep vor der Haustür von Frau F. parkte. Dann war es als wäre der Weihnachtsmann gekommen. Wir liefen rasch zum Jeep in der Hoffnung auf einen Kaugummi oder zumindest, um einen Blick auf den “hübschen Andy” zu werfen.

Mit den Amerikanern hielten u.a. auch die Nylonstrümpfe ihren Einzug in Deutschland. Sie waren das, was sich deutsche Frauen wünschten und begehrten.(..)Mit den “Care-Paketen” zeigte die amerikanische Bevölkerung ihre Solidarität mit jenen Deutschen, die es nach dem Krieg besonders schwer hatten. So kam es, dass wir ab und zu eine Mitteilung zur Abholung eines “Care-Paketes” erhielten. Diese Pakete konnten Kleidung oder Lebensmittel enthalten. Uns spielte es keine Rolle, was in den Paketen war, denn Kleidung war ebenso willkommen und notwendig wie Lebensmittel! Ein Lebensmittelpaket enthielt meistens verschiedene Konservendosen(..)

Quelle: http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/046/index.html

Text 2: Auszug aus der Truman-Doktrin vom 12.März 1947

„Der Ernst der Lage, vor die sich die Welt heute gestellt sieht, macht mein Erscheinen vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses notwendig. Ein Gebiet der Gegenwartslage, das ich Ihnen heute zur Erwägung und Entscheidung vorlegen möchte, betrifft Griechenland und die Türkei. Die griechische Regierung hat an die Vereinigten Staaten einen dringenden Ruf nach finanzieller und wirtschaftlicher Unterstützung gerichtet.(..) In einer Anzahl von Ländern waren den Völkern kürzlich gegen ihren Willen totalitäre Regimes aufgezwungen worden. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat mehrfach gegen Zwang und Einschüchterung bei der Verletzung des Jalta-Abkommens in Polen, Rumänien und Bulgarien protestiert. Und weiter muss ich feststellen, dass in einer Anzahl anderer Staaten ähnliche Entwicklungen stattgefunden haben. Im gegenwärtigen Abschnitt der Weltgeschichte muss fast Jede Nation ihre Wahl in Bezug auf ihre Lebensweise treffen. Nur all zu oft ist es keine freie Wahl. Die eine Lebensweise gründet sich auf den Willen der Mehrheit und zeichnet sich durch freie Einrichtungen, freie Wahlen, Garantie der individuellen Freiheit, Rede- und Religionsfreiheit und Freiheit von politischer Unterdrückung aus. Die zweite Lebensweise gründet sich auf den Willen einer Minderheit, der der Mehrheit aufgezwungen wird. Terror und Unterdrückung, kontrollierte Presse und Rundfunk, fingierte Wahlen und Unterdrückung der persönlichen Freiheiten sind ihre Kennzeichen. Ich bin der Ansicht, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sein muss, die freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen.“

Quelle: http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/entstehung/druckversion/trumandoktrin.htm


19.07.06 Wirtschaftswunder Kommentieren Trackback

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