Sind wir nicht alle ein bisschen verrückt?



Verrückte Menschen gehören in die Klapsmühle, heißt es in der Umgangssprache. Wenn man aber genauer hinschaut, ist eigentlich fast jeder verrückt. Natürlich nicht auf eine Weise, dass er sein Leben nicht mehr selbst in der Hand hat. Betrachtet man aber nur die Macken, dann ist die Grenze der Normalität längst überschritten.
Einige Menschen haben zum Beispiel den Tick, dass sie niemals das erste Produkt, das in einem Geschäft angeboten wird, kaufen. Beim Duschgel greifen sie nach hinten, Servietten nehmen sie nur aus der Mitte und ist von einem Produkt nur noch ein Exemplar vorhanden, verzichten sie lieber ganz auf den Artikel. Eigentlich ein ziemlich verrücktes Verhalten.
Andere Menschen sammeln Müll, um sich daraus Dekorationsgegenstände zu basteln. Eisstiele werden zu Untersetzern, Kirschkerne werden zur Verschönerung des Tisches eingesetzt, das Klopapierinnere zu einem Weihnachtskalender weiterverarbeitet. Wer mit solch kreativen Schaffungsmethoden nichts anfangen kann, wird den entsprechenden Personen einen Vogel zeigen.
Denkt er aber genauer nach, wird er feststellen, dass selbst er nicht frei von Macken ist. Wer ist das schon? Mit großer Wahrscheinlichkeit niemand! Jeder hat bekanntlich seine Leiche im Keller, ob es sich um ungewöhnliche sexuelle Vorlieben, peinliche Angstzustände oder unnachvollziehbare Sammelleidenschaften handelt. Wirklich verrückt sind diese Menschen freilich nicht. Zumindest, solange sie ihre eigens geschaffene Fantasiewelt von der Wirklichkeit trennen können. Vor allem einsame Menschen verlernen das irgendwann. Sie konzentrieren sich nur noch auf ihre Macken, weil sie keine Abwechslung haben. Und verlieren dabei den Sinn für die Realität. In diesem Fall wird aus der kleinen Macke manchmal ein ernstzunehmendes Problem.


26.04.10 Autos Kommentieren Trackback

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